Mobbing und Cyber-Bullying werden an den Schulen zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Laut der PISA-Studie 2018 hat die Schweiz im Vergleich zu ihren Nachbarländern den höchsten Mobbing-Index. Der Bildungsbericht 2023 zeigt, wie weit verbreitet dieses Phänomen ist: Rund 17 Prozent der Jugendlichen berichteten, dass sie körperliche Gewalt erlebt haben, und 42 Prozent gaben an, von anderen verspottet oder ausgelacht worden zu sein.
- Rund 10 Prozent der Kinder werden im Lauf der Schulzeit Opfer von Mobbing.
- Mobbing kommt auf allen Schulstufen vor. Am häufigsten werden Kinder in der fünften und sechsten Primarklasse gemobbt.
- Mobbing findet über einen längeren Zeitraum statt und ist systematisch gegen eine Person gerichtet.
- Den Täter oder die Eltern des Täters mit dem Mobbing zu konfrontieren verstärkt das Mobbing oft.
Doch was bringt Jugendliche überhaupt dazu, andere zu schikanieren? Eine aktuelle Studie der pädagogischen Psychologen Christian Drengk und Moritz Börnert-Ringleb von der Leibniz Universität Hannover geht dieser Frage auf den Grund. Die Forscher untersuchten, welche psychologischen Mechanismen hinter Mobbing stecken.
Warum mobben Jugendliche?
Manche Jugendliche gaben an, das soziale Miteinander als ständigen Konkurrenzkampf um Anerkennung und Status wahrzunehmen. Wettbewerb spielt laut den Forschern eine entscheidende Rolle beim Mobben. Wer sich nicht durchsetzen kann, fürchtet, selbst zum Opfer zu werden.
Ein zu stark ausgeprägtes Konkurrenzdenken im Schulalltag trägt dazu bei, dass sich Mobbingstrukturen verfestigen. Es bedroht Jugendliche in ihren psychischen Grundbedürfnissen. Fühlen sie sich über einen längeren Zeitraum ausgeschlossen und fremdbestimmt oder spüren sie Unsicherheiten in den eigenen Fähigkeiten, neigen Jugendliche eher dazu, andere zu schikanieren. Die Forscher schreiben, wer das Gefühl habe, nicht ernst genommen zu werden, könne versuchen, sich durch Mobbing Macht und Einfluss zu verschaffen.
Wer sich nicht durchsetzt, verliert
Die Erkenntnis von Drengk und Börnert-Ringleb zeigt, dass Mobbing nicht nur ein individuelles Fehlverhalten ist, sondern eng mit den Dynamiken innerhalb einer Gruppe verknüpft ist. Um dem entgegenzuwirken, sollten Schulen laut den Forschungsleitern weniger auf Bestrafung setzen und stattdessen stärker darauf achten, die psychologischen Grundbedürfnisse der Schüler und Schülerinnen zu erfüllen: Soziale Eingebundenheit, Selbstvertrauen und Autonomie.
Sie schlagen vor, klare Anti-Mobbing-Richtlinien aufzustellen und darauf zu achten, ein integratives Schulklima zu fördern, das von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Dies könnte in Form von Gruppenaktivitäten, von Schülern selbst entwickelten Lernmethoden und Austausch geschehen. Darüber hinaus sollten evidenzbasierte Programme zum sozial-emotionalen Lernen (SEL) in den Unterrichtsalltag integriert werden. Diese dienen vor allem der Förderung der emotionalen Intelligenz der Schülerinnen und Schüler.
Die gesunde Balance zwischen individueller Förderung und Gemeinschaftssinn, hilft zu verhindern, dass Kinder sich als Rivalen sehen, die um Anerkennung kämpfen müssen. Ebenso wichtig ist es, dass Kinder und Jugendliche sich wertgeschätzt fühlen – sowohl in der Schule als auch zu Hause. Wer Anerkennung erfährt, habe weniger das Bedürfnis, sich auf Kosten anderer zu profilieren, schliessen die Forscher.
Mobbing ist eine Form von Gewalt und bedeutet, dass mehrere Personen wiederholt und über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate) eine bis zwei Personen gezielt und systematisch quälen. Für Betroffene ist es oft beschämend und mit Hilflosigkeit verbunden.
Tipps für die Prävention:
- Verankern Sie Grundwerte des Zusammenlebens wie Respekt vor anderen, Vielfalt als Bereicherung im Alltag.
- Beziehen Sie klar Stellung gegen Gewalt.
- Stärken Sie den Selbstwert und das Selbstvertrauen des Kindes.
- Zeigen Sie Interesse an seinem Alltag.
- Fördern Sie seine Kompetenz des Abgrenzens und Neinsagens.
Tipps in Mobbingsituationen:
- Hören Sie den Betroffenen zu und unterstützen Sie sie.
- Bewahren Sie Ruhe.
- Suchen Sie das Gespräch mit der Lehrperson, eventuell auch der Schulleitung. Ziel: Situation beschreiben, Anliegen formulieren, Handlungen koordinieren.
- Konfrontieren Sie den oder die Täter auf keinen Fall direkt.
- Ziehen Sie einen Klassen- oder Schulwechsel nur im Notfall in Betracht.
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