Philipp Kutter, 45, Nationalrat, mit Lisa, 8, und Julia, 6 «Ich erinnere mich noch genau an den 16. Februar 2012. Es schneite, und wir feierten Fasnacht in Wädenswil. Ich sass mit Kollegen in der Beiz. Als ich nach Hause kam, gings los: Meine Frau hatte Wehen, und wir fuhren direkt ins Regionalspital. Ich war nervös. Als selbstständiger Kommunikationsberater musste ich meinen Vaterschaftsurlaub selber organisieren. Ich sagte viele Termine ab und gab mir fast drei Wochen Zeit für die Familie. Die ersten Tage lernte ich, wie dieses kleine Häufchen funktioniert. Ich bin heute noch den Hebammen dankbar, die mir alles zeigten. Es war schön, meine Töchter so kennenzulernen. Vater zu sein, ist eine lebenslange Aufgabe, egal, wie lange der Vaterschaftsurlaub dauert. Ausserdem ist es gar kein Urlaub. Es ist streng! Zwei Wochen lassen sich bei jedem Arbeitgeber organisieren – beim WK klappts ja auch.»
Paul SeewerAdrian Wüthrich, 40, Präsident Travailsuisse, mit Jero, 10, und Lino, 7 «Mein ältester Sohn Jero kam per Kaiserschnitt auf die Welt. Die Ärztin gab ihn mir direkt in die Arme. Es war unglaublich! Unsere kleine Familie zog dann für eine Woche ins nahe gelegene Geburtshaus. Da lernte ich, wie man so ein Bébé halten und umsorgen soll. Das war nur möglich, weil ich einen Vaterschaftsurlaub hatte. 2015 wurde ich Präsident der Gewerkschafts-Dachorganisation Travailsuisse – wir lancierten eine Volksinitiative für den Vaterschaftsurlaub. Dank dieser stimmen wir jetzt über den Gegenvorschlag von zwei Wochen ab. Ich bin stolz, denn ich steckte viel Herzblut in diese Sache. Es kann ja nicht sein, dass wir gesetzlich nur einen Tag bekommen – es gibt Geburten, die länger dauern! Bei unserem zweiten Sohn Lino hätte ein Tag nicht gereicht.»
Paul SeewerMatthias Sempach, 34, Schwingerkönig, mit Paula, 3, und Henry, 5 «Ich habe die erste Zeit mit den Kindern unbeschreiblich schön und intensiv in Erinnerung. Dennoch setzt sich bei mir der Verstand gegen das Herz zu einem Nein durch. Ich wünsche zwar allen Vätern, dass sie nach der Geburt möglichst viel Zeit mit der Familie verbringen können. Und mir ist bewusst, dass es auch darum geht, alte Rollenverteilungen aufzubrechen. Aber: Wenn man sich für eine Familie entscheidet, sollte man ein Leben lang bereit sein, Kompromisse einzugehen. So auch, um einen Teil seiner Ferien für die Liebsten einzusetzen und neue Verantwortungsbereiche miteinander zu organisieren. Wenn man sieht, wie viel dieser zweiwöchige Vaterschaftsurlaub kostet, habe ich kein gutes Gefühl. Es geht uns doch nicht so schlecht. Wieso wollen wir in der heutigen Zeit immer noch mehr?»
Paul SeewerMartin Candinas, 40, Nationalrat, mit Laurin, 10, Linus, 7, und Lena, 5 «Die Geburt unseres Sohnes Laurin stellte mein Leben schon ein bisschen auf den Kopf. Ich schlief drei Nächte mit meiner Frau und dem Baby im Familienzimmer des Spitals. Da erlebte ich die ersten kleinen Schritte in seinem Leben: Wie er schläft, wie er trinkt und wie es mit den Windeln funktioniert. Ich hatte Glück, mein Arbeitgeber gab mir zehn Tage frei. Die ersten Tage sind besonders prägend, aber als Vater lernt man ein Leben lang dazu. Als Linus und Lena zur Welt kamen, tauchte eine neue Frage auf: Wer schaut zu den Kindern, die wir schon haben? Ich nahm mir bewusst Zeit für die älteren, damit sie nicht im Schatten des Neugeborenen standen. Laurin und Linus durften bei mir im Zimmer schlafen – wir waren ständig zusammen. Ich habe bereits 2014 für den Vaterschaftsurlaub gekämpft. Der kostet uns jährlich 230 Millionen – aber es lohnt sich, dieses Geld zu investieren. Wer mehr Zeit will, kann Ferien nehmen.»
Paul SeewerKilian Baumann, 39, Nationalrat und Biobauer, mit Juna, 9, Til, 6, und Henrik, 2 «Schon bevor wir Kinder hatten, war für meine Partnerin Bettina und mich klar, dass wir beide weiterarbeiten. Ich auf dem Hof, sie als Lehrerin. Vater zu werden, war eine der schönsten Erfahrungen – aber auch eine grosse Umstellung. Ich führe den Hof alleine. Zu Beginn musste ich jemanden organisieren, der mit den Rindern und auf dem Acker hilft. Ein Vorteil bei uns war, dass ich zu Hause arbeite. Wenns schwierig wurde, war ich schnell bei meiner Frau und dem Baby. Die ersten zwei Jahre sind die intensivsten. Darum finde ich den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub wichtig. Als ersten Schritt! Es muss aber weitergehen. Eine längere Elternzeit von einigen Monaten wäre das Ziel. Wir dürfen uns nicht immer wirtschaftlich unterordnen, sondern müssen dem Familienleben mehr Wert geben.»
Paul SeewerLars Guggisberg, 43, Nationalrat, mit Alina, 10, und Dario, 9 «Unsere Kinder Alina und Dario konnten es nicht erwarten, auf die Welt zu kommen, beide waren etwas früh. Die ersten Wochen waren darum besonders intensiv für uns. Wir führten zu Hause eine Art Schichtbetrieb ein. Ich schaute von sechs Uhr abends bis Mitternacht zu den Kleinen, damit meine Frau schlafen konnte. Sie übernahm die folgenden sechs Stunden. Ich hatte nach den Geburten einzelne Tage frei. Als mich meine Kinder das erste Mal anlachten, war das ein unglaublich schöner Moment. Da weiss man, dass sich der Aufwand lohnt. Beide Elternteile sollen sich kümmern – nicht nur für zwei Wochen, sondern für mindestens 18 Jahre. Nicht der Staat, sondern die Eltern sollen entscheiden, wie sie sich organisieren. Ich bin dagegen, dass die Allgemeinheit Vaterschaftsurlaub bezahlt. Es gibt andere Möglichkeiten.»
Paul SeewerNevin Galmarini, 33, Olympiasieger, mit Eddie und Louie, 2 «Nach der Geburt unserer Zwillinge im Sommer 2018 habe ich mein Training drei Wochen lang aufs Minimum reduziert. Damit nahm ich als Selbstständiger zwar eine finanzielle Einbusse in Kauf, doch das war es mir allemal wert. Diese Zeit war wichtig für unsere Babys, für mich, aber vor allem auch für meine Frau Nadja. Ich half ihr bei allem: beim Kochen, Wickeln, Einkaufen, Spazieren, Haushaltmachen – und wieder von vorne. Ich habe mich sehr gut informiert über die Abstimmung zum Vaterschaftsurlaub, wägte die verschiedenen Argumente beider Seiten ab. Ich werde Ja stimmen. Denn für mich ist es ein Signal und ein Schritt weiter in Richtung Gleichstellung der Frau. Wenn beide Elternteile Urlaub nehmen nach einer Geburt – vielleicht in Zukunft gar mit flexibler, bezahlter Elternzeit –, nimmt das für die Frauen im gebärfähigen Alter auch den Druck und erhöht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.»
Paul SeewerThomas Haemmerli, 56, Dok-Filmer, mit Pablo, 7, und Lupe, 6 «Als Pablo 2013 zur Welt kam, lebten wir in Brasilien. Dort ist es üblich, eine Haushaltshilfe zu beschäftigen. Diese hat oft eigene Kinder und somit Erfahrung. Das erste Kind war für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln. Ich arbeitete im Homeoffice, hatte unser Bébé oft auf dem Schoss, bekam so viel mit und wurde ein routinierter Windelwechsler. Obschon sich meine Frau und ich die Kindererziehung teilen – Ana tut mehr. Bei der Kleiderauswahl habe ich nichts zu melden; dafür finden Pablo und Lupe, ich sei der bessere Koch – aber nur, weil ich mehr Junkfood zubereite, was sie lieber haben. Der Vaterschaftsurlaub sollte länger sein, als erster Schritt ist die Vorlage aber wichtig. Dass wir uns das wegen der Corona-Krise nicht leisten können, ist, mit Blick auf unsere europäischen Nachbarn, kein stichhaltiges Argument.»
Paul SeewerFabien Rohrer, 45, Snowboard-Weltmeister, mit Jeremy, 8 «Als Selbstständiger blieb ich nach Jeremys Geburt lange daheim. Er war ein Schreibaby – ich hilflos und kaputt. Aber in den meisten Fällen braucht es den Vater nach der Geburt am wenigsten. Viel mehr als Füdli putzen, Bäuchlein streicheln und bisschen Gugus kann ein Papi bei Säuglingen nicht beitragen. Deshalb finde ich die zwei Wochen Vaterschaftsurlaub eigentlich unnötig. Vielmehr bin ich für eine Elternzeit, die Vater und Mutter über längere Zeit aufteilen können. Ich fände es super, wenn jeder Mann drei Monate daheim wäre und im vollen Umfang sieht, was eine Hausfrau alles leistet und woran sie denken muss. Ersatznuggi, Füdli-Creme, Windeln – die Liste ist endlos. Und wer Gleichberechtigung fordert, soll den Männern die Möglichkeit geben, ihre Vaterpflichten wahrzunehmen.»
Paul SeewerPhilipp Langenegger, 44, Schauspieler, mit Moritz, 13, Luis, 13, Franz, 8, und Henry, 6 «Zwei Wochen? Es ist doch Wahnsinn, dass wir überhaupt darüber diskutieren müssen! Das ist doch eigentlich selbstverständlich. Ich und meine Frau arbeiten beide als Schauspieler. Und Künstler sind bekannt dafür, oft nur auf sich selber zu schauen. Als ich vor 14 Jahren zum ersten Mal Vater wurde, merkte ich plötzlich, dass sich nicht alles nur um mich dreht. Das hat mir extrem gutgetan und mich geerdet. Es zeigte mir, was wirklich wichtig ist im Leben. Unsere vier Jungs sind alle in Deutschland geboren, wo wir damals wohnten und arbeiteten. Das heisst, ich konnte ein halbes Jahr Elternzeit nehmen. Das war wirklich super! Denn die Grosseltern konnten uns von der Schweiz aus nicht wirklich unterstützen. Die erste Zeit mit den Kindern ist die wichtigste, deshalb wünsche ich mir auch für die Schweiz eine längere Elternzeit.»
Paul Seewer