Neugier wird in der Wissenschaft definiert als das Bedürfnis, Neues zu entdecken und Wissen zu erweitern. Sie ist eine treibende Kraft in der kindlichen Entwicklung und beginnt bereits im Säuglingsalter. Die Entwicklungspsychologin Celeste Kidd untersuchte 2012, wie Neugier entsteht und fand heraus, dass sie vor allem dann auftritt, wenn vorhandenes Wissen ergänzt werden kann.
In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Psychologie Heute thematisiert wird, beobachtete Kidd Säuglinge beim Betrachten von Videosequenzen. Dabei zeigte sich, dass Säuglinge ab einem Alter von sieben Monaten ihre Aufmerksamkeit am stärksten auf Sequenzen richten, die weder zu chaotisch und komplex noch zu einfach und vorhersehbar sind. Sie nennt diesen Moment die «mittlere Vorhersehbarkeit», in der für den Säugling die grösste Chance besteht, etwas Neues über die Welt zu lernen.
Die Entwicklung der Neugier ins Erwachsenenalter
Während Säuglinge ihre Umwelt vor allem über taktile Reize wie Greifen und Berühren erkunden, nutzen Kleinkinder zunehmend ihre Sprache, um sich Wissen anzueignen. Die Fachpublikation stellt daher auch eine Forschungszusammenstellung der Psychologinnen Tania Lombrozo und Emily Liquin von der Princeton University vor, welche 2020 die «Warum-Phase» untersuchten.
Es zeigt sich: Warum-Fragen sind kein Ausdruck von Unwissenheit oder Unsicherheit, sondern eine angeborene intrinsische Motivation, die Welt besser kennen zu lernen. Sie fördern auch das Interesse, weiter zu forschen. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Art der Neugier.
Wir lernen, unsere Aufmerksamkeit gezielter zu fokussieren und dabei auch Aspekte auszublenden, weshalb Erwachsene oft «festgefahrene Vorstellungen» von der Welt haben, wie die Forscherinnen schreiben. Lombrozo und Liquin konnten in ihrem Forschungsüberblick einen klaren Zusammenhang zwischen Neugier und Kreativität feststellen.
Wie fördere ich die Neugier meiner Kinder?
Eltern können mit einfachen Mitteln die Kreativität ihrer Kinder fördern und erhalten. Eine bewährte Methode ist es, Kindern vielfältige Erfahrungen zu ermöglichen. Das können neue Eindrücke wie Musik, Geschmäcker, Geschichten oder Gegenstände sein, die sie kennenlernen.
Auch das geduldige Beantworten von Fragen ist hilfreich. Selbst wenn «Warum»-Fragen manchmal herausfordernd sind, hilft es, sie ernst zu nehmen und mit dem Kind auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Und nicht zuletzt spielt Sicherheit eine zentrale Rolle: Kinder erkunden ihre Umwelt am besten, wenn sie sich sicher fühlen. Das haben schon die Untersuchungen des Kinderpsychiaters Edward John Mostyn Bowlby im Jahr 1969 gezeigt: Je stärker die Bindung zu einer Bezugsperson, desto ausgeprägter das «Explorationsbedürfnis» des Kindes. Ein Begriff, den Bowlby selbst prägte.