Hundert Millionen Keime pro Milliliter, so viele Bakterien tummeln sich im gesunden Scheidensekret. Die Milchsäurebakterien sorgen für den richtigen pH-Wert der Scheide. «Dieser liegt bei 4,5, also im sauren Bereich», erklärt Gynäkologe Dr. Reto Stoffel. «Weicht dieser Wert ab, ist die Abwehr geschwächt, und es kommt zu Infekten.» Zu den häufigsten Problemen im weiblichen Intimbereich zählen Pilze.
Sie entstehen vermehrt im Sommer, wenn sie sich durch Wärme und Schweiss schneller vermehren. Der zweithäufigste Grund für Beschwerden sind Bakterien aus dem Analbereich, die in die Scheide gelangen (deshalb sollte man nach dem Toilettengang die Genital- und Analregion immer von vorn nach hinten reinigen). Auch Geschlechtsverkehr kann die Scheidenflora beeinträchtigen. Zum einen durch Bakterien und Parasiten (Trichomonaden), die übertragen werden. Zum andern mechanisch, etwa wenn die Scheide beim Sex verletzt wird. «Was ich allen Patientinnen rate: Um Jacuzzis sollte man einen grossen Bogen machen. Sie sind wahre Bakterien- und Pilzbrühen.»
Folgende Tipps helfen, das Risiko für Scheideninfektionen zu senken:
- Den Intimbereich weder mit herkömmlicher Seife noch mit purem Wasser waschen. «Am besten verwendet man eine alkalifreie Seife, oder man ergänzt einen halben Liter Wasser mit einem Löffel Essig. Das Scheidenmilieu mag es sauer», rät Dr. Reto Stoffel.
- Wer häufig baden geht und anfällig für Scheidenpilze ist, kann danach eine pilzhemmende Creme einreiben.
- Um die Balance der Vaginalflora zu unterstützen, hilft es, prophylaktisch täglich etwas Nature-Joghurt in die Scheide einzuführen. Die Milchsäurebakterien stellen das Gleichgewicht wieder her.
«Wer unter starkem Juckreiz, Schmerzen oder Ausfluss leidet, sollte einen Arzt aufsuchen», sagt Dr. Stoffel. «Leider verschwinden die Beschwerden fast nie von allein.»
Dr. med. Reto Stoffel - Gynäkologe und Senologe aus Richterswil ZH
HO