Selbstverständlich fängt Goldblums Leben nicht erst jetzt an. Schliesslich sorgt der smarte Hüne ja schon seit Dekaden für Höhepunkte in den Kinosälen. Alles begann im Jahr 1986 mit der Hauptrolle im Kultstreifen «The Fly». Lüstern labte sich die Kamera an den athletischen 1.94 Metern des damals 34-Jährigen, bevor seine Figur im Laufe des Films zu einer widerwärtigen Kreatur mutierte. Eine Special-Effects-Generation später sahen wir zu, wie er in «Jurassic Park» mit Dinos um die Wette rannte. 2018 trat er als Jazzpianist ins Rampenlicht, denn offenbar übt Goldblum seit Jahrzehnten täglich Klavier. Obendrein befeuchten seine Outfits die Träume der Modewelt.
Besser als jede*r Influencer*in führt er auf Instagram seit geraumer Zeit wild gemusterte Prada-Hemden und knappe Full Looks des italienischen Traditionshauses aus und verströmt intellektuelle Virilität, immer mit einer Portion lockeren Humors. Jetzt gab es das Ganze live in der Fondazione Prada in Mailand: Jeff Goldblum schloss mit seinen 69 Jahren die Menswear Fashion Week in Milano – als letztes Model der… Trommelwirbel… klar: Prada-Show für den Herbst/Winter 2022. Zur erlesenen Gang der schauspielenden Models gehörte ausserdem «Twin Peaks» und «Sex and the City»-Star Kyle MacLachlan. Mit seinen 62 Jahren hat auch der eher Poker- als Babyface.
Wer braucht Model-Agenturen, wenn man Reife haben kann
Nun langweilt Perfektion ja schon des Längeren. Das kreative Prada-Kollektiv aus Gründerin Miuccia Prada and ihrem Co-Kreativdirektor Raf Simons liess deshalb so manche Model-Agentur unkontaktiert. Die Kollektion nämlich zelebriere mit einer Neu-Interpretation formeller Arbeitskluft die Idee von, ja klar, Arbeit – mit ihr unterstreiche der Mensch, dass alles, was er tut, wichtig ist. Schauspieler waren da die perfekte Besetzung. Denn: «Schauspieler sind Interpreten der Realität», so Miuccia Prada. Und was es da braucht, sind echte Männer. Keine glatten, schmalbrüstigen Jungs. Sondern Haudegen über 60. Die gelebt haben und was zu erzählen haben. Diversität nennt man das, ein medienwirksames Aufbäumen gegen Alters- und Body-Shaming ebenfalls. Danke trotzdem.
Die schönen jungen Wilden gab es aber natürlich trotzdem. Aus dem Hollywood-Lager spazierten da der 31-jährige Thomas Brodie-Sangster, der als Kind in «Love Actually» alle zu Tränen rührte und zuletzt im Netflix-Hit «The Queen’s Gambit» zu sehen war, der 24-jährige «Sex Education»-Star Asa Butterfield, der 30-jährige «Black Mirror»-Boy Damson Idris und der 26-jährige Ashton Sanders aus «Moonlight» über den Runway. Mit ernster Miene. Während Jeff Goldblum gewohnt amüsant und amüsiert gleichermassen aus dem lila beleuchteten Prada-Tunnel auf den Laufsteg stieg. Er schien verwundert über die Tatsache, Teil einer Modenschau zu sein. Ein echter «echter» Mann eben.