«Wir sind überwältigt», sagt Nicholas Hänny, 33, Mitgründer und CEO der Aargauer Kleidermarke Nikin. 800 Besucherinnen und Besucher feierten mit ihm und Mitgründer Robin Gnehm, 33, sowie 35 Angestellten in der Altstadt von Aarau die Eröffnung ihres ersten Flagship-Stores. Nikin TreeHouse heisst dieser, Hänny nennt ihn das grösste Baumhaus der Schweiz. Denn das Herzstück der neuen Nikin-Heimat ist ein zehn Meter grosser Baum, der vor Kurzem bei Lenzburg AG einem Sturm zum Opfer gefallen ist. Nun hängt er, an der Decke befestigt und sich über vier Stockwerke erstreckend, im Treppenhaus.
Der Hingucker im Nikin-Flagship-Store in Aarau: ein 350 Kilo schwerer Baum. Der Laden vereint den Verkauf nach-haltiger Mode, Nikin-Büros, Café und Eventraum.
NikinFür jedes verkaufte Produkt pflanzt das 2016 von den zwei Kindheitsfreunden initiierte Erfolgsunternehmen einen Baum – zusammen mit der Partnerorganisation One Tree Planted. 2,5 Millionen Bäume wurden seither weltweit in den Boden gesetzt, 5000 davon in der Schweiz. Der Brand bietet langlebige, zeitlose Produkte – 85 Prozent sind Kleider, der Rest Accessoires – aus nachhaltigen Materialien, überwiegend in Europa, aber nicht in der Schweiz produziert. Auf jedem Produkt prangt klein das Emblem: ein Tannenbäumchen. Der Verkauf läuft vor allem online. Das meistverkaufte Kleidungsstück ist das Basic-T-Shirt, 50 000 Stück verkauft die Firma jedes Jahr, vor allem in der Schweiz. «Wir bieten faire Mode zu einem fairen Preis», sagt Hänny. 200 000 Personen haben schon bei Nikin eingekauft, 50 000 gehören zur Stammkundschaft, der Altersdurchschnitt ist 30 Jahre.
Gestartet haben die Co-Gründer mit einem Kapital von 5000 Franken. Eine Crowdinvesting-Kampagne Ende 2022 brachte in drei Wochen fünf Millionen Franken ein – seither hat Nikin 4000 Mitinhaberinnen und -inhaber, unter ihnen eine bekannte Schwyzer Skirennfahrerin. Auch andere Prominente schwören auf die Marke. So hat sich Hollywood-Star Brad Pitt in einem Luxusresort in Südtirol, das Hännys Produkte verkauft, mit einer Nikin-Flasche eingedeckt.
Erfolgreiche Unternehmer: Nikin-Gründer Nicholas Hänny (r.) und Robin Gnehm.
NikinCEO Hänny hat grosse Ziele. Er will mehr Läden eröffnen. Und: Bis 2030 soll alles zirkulär sein. Heisst: Das natürliche Material, aus dem ein Produkt hergestellt wurde, wird wieder der Natur zugeführt oder recycelt, wenn der Gegenstand nicht mehr gebraucht wird. Zurzeit entwickelt Ochsner Shoes für Nikin einen zirkulären Schuh. «Es gibt immer noch das Problem, dass zu viele Kleider kaputtgehen», sagt Hänny. 40 Millionen Tonnen Kleider landen jedes Jahr auf Müllhalden in der chilenischen Atacama-Wüste. «Die ganze Bekleidungsbranche wird in die Richtung gehen müssen, nur noch zirkuläre Produkte herzustellen.»