Früher bewegte sich Mark van Huisseling, 55, kurz MvH genannt, stilvoll im Maserati 3200 GT fort. Heute darf er den Range Rover Evoque seiner Frau mitbenutzen; er selbst besitzt kein Auto mehr. «Da wir in der Stadt leben, reicht eins. Zudem ist es ein gutes Auto, das meine Frau fährt und mir zur Verfügung stellt.» Kritiker schimpften ihn einst «arroganter Kotzbrocken», Fans lobten ihn als «Stil-Papst». Und heute? Als Papi des kleinen Jim wischt er auch mal Kinderkotze vom Boden auf.
Aber Stil hat der Mann, der einst als einer der besten und bestverdienenden Kolumnisten der Schweiz galt, auch als Familienvater bewahrt. Mit Ehefrau Nadine, 39, und Jim, 3, bewohnt van Huisseling eine 125 Quadratmeter grosse («den Sitzplatz eingerechnet») Vier-Zimmer-Eigentumswohnung «in einem Architektenhaus» im Zürcher Kreis 8. Hinter dem Haus rauscht der Wehrenbach. Vor dem Haus hält das Tram Nummer 11, das MvH in 14 Minuten an den Paradeplatz bringt.
Früher schrieb er über Promis, heute über Dads. Gerade ist sein fünftes Buch erschienen: «Mann, Baby, Mann. Wenn aus Männern Väter werden». Fünf Männer vertrauen Autor van Huisseling ihre persönlichen Erfahrungen mit der Vaterschaft an. «Jede dieser Männer-Kind-Geschichten ist einzigartig», erzählt MvH. Auch sein Lebensweg findet sich im Buch wieder. «Ich bin ein Einzelkind. Das prägt, aber das merkt man erst später im Leben.» Ob seinem Sohn Jim dereinst das gleiche Schicksal winkt, darüber sind sich Mark und seine Frau noch uneins. Nadine ist 16 Jahre jünger als Mark – für ihn «fast eine Generation».
Einigkeit herrscht dafür bei der Wohnungseinrichtung. Van Huisseling, der über sich selbst sagt, er möge Design, schwört auf Klassiker wie den Eames Lounge Chair, die Arco-Kultleuchte aus den 60er-Jahren oder das Regal der deutschen Industriedesign-Ikone Dieter Rams. Die Glasvasen und -objekte hat seine Frau zusammengetragen – Flohmarkt-Schnäppchen genauso wie seltene Murano-Sammlerstücke.
Im Haushalt sind die Rollen klar verteilt. «Ich koche meistens, meine Frau kümmert sich mehrheitlich um die Kinderbetreuung.» Wobei er betont, dass es ihm nicht nur ums Kochen als solches geht, sondern auch darum, zu überlegen, was auf den Tisch kommt, und entsprechende Einkäufe zu tätigen.
Ein kleines bisschen Kindererziehung betreibt MvH aber doch auch. Der freie Journalist und Autor leistet sich einen wöchentlichen «Kindervormittag», den er spielend mit seinem Sohn verbringt. Ehefrau Nadine arbeitet 80 Prozent – dreieinhalb Tage besucht Jim eine Kita. «Eine hervorragende Sozialisierungsinstitution – vor allem für Einzelkinder», wie van Huisseling findet. Über Milliardärsgattinen, die dort «Brutstätten des Verderbens» wittern, kann er nur den Kopf schütteln. Erst kürzlich habe sein Sohn die Erzieherin gefragt, was sie eigentlich arbeite. Sein Vater gehe jeden Tag ins Büro.
«MvH Industries» steht auf der Büroklingel. Was nach global agierendem Flugzeugunternehmen klingt, entpuppt sich als «Kammer» in einem Mehrfamilienhaus im Zürcher Seefeld. Weil man mit Bücherschreiben kaum leben kann (Bestsellerautoren ausgenommen), produziert van Huisseling, ausgebildeter Betriebswirtschafter, Stil- und Kulturbeilagen für «Die Weltwoche» und «Finanz und Wirtschaft», schreibt für die TX Group (Tamedia) über Wirtschaft und Anlagen sowie als Korrespondent fürs Nachrichtenmagazin «Focus».
Auf Qualität und Einzigartigkeit setzt van Huisseling auch bei seinem antik anmutenden Esstisch aus 180-jährigem Holz. Eine Massanfertigung für den 1,95-Meter-Mann – so finden seine langen Beine bequem Platz. Die schwingt er neuerdings auch aufs Motorrad. Noch ist MvH mit Lernfahrausweis unterwegs, aber im kommenden Jahr wird er zur Prüfung antreten. Bis dahin sammelt er Fahrpraxis. Er hat sich für eine BMW F 900 R entschieden. MvH mags auch auf zwei Rädern stilvoll.